Projekt-Management professionalisieren

"Doch Menschen müssen teilhaben und mitgestalten dürfen, damit sie sich integrieren und entfalten können." - Tamara Al-Keilani (Projektleiterin des Empowerment von Migrantinnen-/Migrantenselbstorganisationen (MSO) )


Menschen die neu in Deutschland ankommen, möchten für sich und ihre Kinder Perspektiven schaffen. Ihre Ideen und ihr gestalterisches Potential, welches sie mitbringen, sind eine Bereicherung für unsere vielfältige Demokratie. Meist haben sie jedoch keine politische Stimme, wenn sie neu in Deutschland ankommen. Oft erleben sie, insbesondere dann, wenn sie als Geflüchtete herkommen und zunächst in Flüchtlingsunterkünften untergebracht werden, dass ihr Lebensbereich in großen Teilen einer Fremdbestimmung unterliegt. Doch Menschen müssen teilhaben und mitgestalten dürfen, damit sie sich integrieren und entfalten können.


Deshalb fördert die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Sozialbehörde) auf Basis des Hamburger Integrationskonzepts „Teilhabe, Interkulturelle Öffnung und Zusammenhalt“ ab September 2017 im Rahmen der Förderrichtlinie „Chancengerechte Teilhabe für Menschen mit Migrationshintergrund“ unter anderem Tandemprojekte. In Tandemprojekten kooperieren Migrant*innenorganisationen (im Folgenden MO genannt) mit größeren Trägern im Sektor der sozialen Arbeit und tauschen ihr Know-How aus.


Die Effektivität zur nachhaltigen Professionalisierung von MO und dem Gewinn, welchen größere Träger dabei für sich erlangen, sowie der Nutzen für den gesamtgesellschaftlichen Fortschritt, lassen sich beispielhaft an dem Tandem zwischen der MO Asmara’s World e.V. und Fördern und Wohnen AöR aufzeigen:


Im Rahmen des Tandemprojekts wurde im Jahr 2018 der Prozess der Gründung eines Bewohner*innenrates in einer Wohnunterkunft für Geflüchtete erfolgreich initiiert, begleitet und gecoacht. Durch einen demokratisch gewählten Rat konnten Bewohner*innen ihre Belange gemeinschaftlich definieren und demokratische Instrumente für sich nutzen. Ein wesentlicher Bestandteil im Projekt war dabei die Partizipation der Bewohner*innen an aktuellen Prozessen der Entwicklung und Entscheidung von Angelegenheiten in der Wohnunterkunft, bis hin zur Förderung der Selbstbestimmung.


Kennzeichnend für ein solches Tandemprojekt ist dabei, dass die langfristige Professionalisierung der MO besonders effektiv gefördert wird, da MO über die Zusammenarbeit mit etablierten Trägern neben guten Vernetzungsmöglichkeiten, relevantes Fachwissen dazugewinnen. Die etablierten Träger wiederum profitieren in der Zusammenarbeit von den innovativen Konzepten und dem kultursensiblen Zugang zu Zielgruppen, welchen die MO ermöglichen.


Die Kooperation zwischen Asmara’s World e.V. und Fördern und Wohnen AöR hat dazu geführt, dass sich aktuell weitere Bewohner*innenräte in anderen Wohnunterkünften im Hamburger Stadtgebiet gegründet haben und von der MO begleitet werden. Ganz spezifisch wird hier deutlich, wie Mitgestaltungs- und demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeit für Menschen mit Zuwanderungs- oder Fluchthintergrund durch die Arbeit von MOs gefördert werden können. Gesamtgesellschaftlich wird durch den Ideenreichtum und die hohe Innovationskraft von MO ein enormer Beitrag zum sozialen (gesellschaftliche Teilhabe) und wirtschaftlichen (Integration in den Arbeitsmarkt) Fortschritt der Stadt geleistet.

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